Warum die Märkte vorlaufen und der Ölpreis bleibt - HAC VermögensManagement AG

Der Frieden, an den Öl nicht glaubt?

Warum die Märkte vorlaufen und der Ölpreis bleibt

von Tobias Gabriel & Joshua Pauls

In der Nacht auf den 22. April verlängerte Donald Trump die Waffenruhe mit dem Iran — überraschend, unbefristet und per Social-Media-Post. Die Begründung: Die iranische Regierung sei „seriously fractured“ und brauche mehr Zeit, um einen einheitlichen Verhandlungsvorschlag zu formulieren. Klingt nach Entspannung. Und tatsächlich: Der S&P 500 hatte kurz zuvor ein neues Allzeithoch von über 7.150 Punkten markiert. Die Märkte feiern also — aber sie feiern auf einem Fundament, das fragiler ist, als die Schlagzeilen vermuten lassen.

Denn trotz der Verlängerung bleibt die US-Blockade bestehen. Vizepräsident J.D. Vance hat seine Reise nach Pakistan abgesagt, der Iran schickt keine Delegation, und das iranische Parlament kommentiert nüchtern: Die Verliererseite könne nichts diktieren. Der Ölpreis reagierte entsprechend gelassen — Brent notiert weiterhin bei rund 97 bis 98 US-Dollar pro Barrel. Vor dem Krieg lag die Spanne bei 55 bis 60 Dollar.

800 Schiffe und eine beschädigte Infrastruktur

Die Zahlen machen deutlich, warum eine rasche Rückkehr zu Vorkriegspreisen unrealistisch ist. Rund 800 Schiffe sitzen im Persischen Golf fest. Über 80 Energieanlagen in der Region sind beschädigt — Raffinerien, Produktionsstätten, Hafenanlagen. Die Reparaturen werden nach Experteneinschätzung ein bis drei Jahre dauern. Selbst wenn morgen ein Friedensvertrag unterzeichnet würde, bräuchte es Monate, bis die Tanker wieder versichert, die Minen geräumt und der Schiffsverkehr geordnet abfließen könnte.

~$98

Brent-Ölpreis aktuell
(Vorkrieg: $55–60)

800

Schiffe festsitzend
im Persischen Golf

80+

beschädigte Energieanlagen
(Reparatur: 1–3 Jahre)

Ein hilfreiches Bild liefert Joshua Pauls im Podcast: Wer den Hamburger Hafen kennt, sieht dort vielleicht fünf oder acht große Tanker liegen. Jetzt stellt man sich vor, hunderte davon stecken auf einer einzigen Wasserstraße fest. Das löst sich nicht in Tagen auf — selbst im besten Szenario nicht.

Warum 2026 nicht 1973 ist

Der Vergleich mit der Ölkrise der 1970er-Jahre liegt nahe, greift aber zu kurz. Damals wie heute treibt ein Konflikt den Ölpreis. Doch die Abhängigkeit der Weltwirtschaft vom Öl hat sich fundamental verändert. Die US-Wirtschaft etwa ist seit 1978 um 231 Prozent gewachsen, während der Ölkonsum im selben Zeitraum nur um ein Prozent gestiegen ist. Das globale Bruttoinlandsprodukt hat sich seit den 70er-Jahren vervielfacht, die Ölnachfrage ist nahezu gleich geblieben. Der prozentuale Anteil, den Öl an der Wirtschaftsleistung ausmacht, ist also erheblich geschrumpft.

„Selbst wenn es jetzt Stück für Stück Erleichterung gibt — die Kosten von Öl dürften etwas erhöht bleiben im Vergleich zu vorher, allein aufgrund der Versicherungsprämien, die jetzt natürlich auch deutlich gestiegen sind.“

Hinzu kommt: Die USA sind mittlerweile Nettoexporteur von Energie und profitieren von höheren Preisen. Für asiatische Volkswirtschaften — Südkorea, China, Indien, Thailand — sieht die Lage allerdings deutlich angespannter aus, weil sie nach wie vor stark von Importen durch die Straße von Hormuz abhängen.

Allzeithoch bei schlechter Stimmung

Bemerkenswert ist der Widerspruch zwischen Marktentwicklung und Verbraucherstimmung. Der Michigan Consumer Sentiment Index hat in seiner 74-jährigen Geschichte einen neuen Negativrekord erreicht. Gleichzeitig konsumieren die Amerikaner weiter — getrieben vor allem von den oberen zehn Prozent der Einkommensverteilung, die für rund 50 Prozent des Konsums verantwortlich sind. Ein starker Arbeitsmarkt mit nahezu Vollbeschäftigung stützt das Bild zusätzlich.

Die Aktienmärkte wiederum haben seit dem Tiefpunkt am 30. März eine beeindruckende V-förmige Erholung hingelegt. Allerdings ist die Rallye schmal — getrieben vor allem von den großen Technologiewerten, den sogenannten Magnificent Seven. Die Marktbreite, also die Beteiligung vieler verschiedener Aktien an der Aufwärtsbewegung, fehlt bislang. Das erinnert an 2020, als die Post-Pandemie-Rallye ebenfalls eng und techgetrieben begann — bevor sich 2021 die Breite einstellte.

Stimmung

Michigan Sentiment

Rekordtief in 74 Jahren Erhebungsgeschichte. Verunsicherung bei 90 % der Bevölkerung.

Realität

S&P 500

Neues Allzeithoch über 7.150 Punkte. V-Erholung seit dem Tiefpunkt am 30. März.

Was Anleger daraus mitnehmen können

Die Versuchung ist groß, auf eines der vielen Narrative zu setzen — alles auf KI, alles auf Energie, alles auf eine Friedensdividende. Genauso groß ist die Versuchung, an die Seitenlinie zu treten und gar nichts zu tun. Beides ist riskant. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie schnell sich Szenarien drehen: Wer Anfang April verkauft hätte, hätte die Erholung verpasst. Wer am Allzeithoch alles auf eine Karte setzt, ignoriert die strukturellen Risiken.

Die Antwort liegt, wie so oft, in der Mitte. Nicht jede Schlagzeile verlangt eine Reaktion. Nicht jede Rallye ist nachhaltig, aber nicht jeder Rücksetzer ist der Anfang vom Ende. Wer langfristig investiert und die Augen nicht vor den Risiken verschließt, aber auch nicht bei jeder Nachricht ins Handeln verfällt, wird sich in dieser Phase besser zurechtfinden als diejenigen, die auf den nächsten Social-Media-Post warten, um ihre Strategie zu ändern.

Dieser Artikel basiert auf dem HAC Podcast „Entspannt investieren”, Folge 3 (22. April 2026). Er dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlageberatung dar. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. HAC VermögensManagement AG, Hamburg.

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Beim Phishing versuchen Cyberkriminelle, mit täuschend echten E-Mails, SMS oder Telefonanrufen vertrauliche Daten wie Passwörter zu stehlen. Auch ganze Homepages können kopiert und mit falschen Daten ins Internet gestellt werden. Dies ist leider heutzutage überall anzutreffen und die Betrüger werden immer professioneller. Deshalb sollte jeder Anleger bei Geldzahlungen besonders vorsichtig sein.

Oft werden Opfer aufgefordert, Links anzuklicken, die die Installation von Schadsoftware auslösen oder auf gefälschte Webseiten führen und eine Anmeldung mit persönlichen Daten erfordern. Wenn Sie z.B. versehentlich die Zugangsdaten für Ihr Online Banking auf einer gefälschten Online Banking-Webseite eingegeben haben, sollten Sie sofort Ihre Bank informieren und den Zugang zum Online Banking sperren (lassen).

Häufig sehen Phishing-Mails oder -Webseiten auf den ersten Blick seriös aus – erst beim genauen Hinsehen entdeckt man Unregelmäßigkeiten in der Absenderadresse. Das kann z. B. ein Schreibfehler im Unternehmensnamen oder eine falsche Endung (z. B. „.com“ statt „.de“) sein.

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