Erstmals seit 1992 ist die US-Notenbank in vier Stimmen gespalten. Hyperscaler liefern Rekord-Zahlen, der Russell 2000 erreicht ein Allzeithoch – und Warren Buffett wartet auf 400 Milliarden Dollar in Cash. Was das für Anleger bedeutet.
von Joshua Pauls & Michael Arpe
In der vergangenen Woche hat sich am Kapitalmarkt etwas vollzogen, das auf den ersten Blick wie das übliche Rauschen aussah – und auf den zweiten Blick eine Notiz wert ist. Die US-Notenbank Federal Reserve beendete ihre Sitzung mit einem Beschluss, der unspektakulär klang: Das Leitzinsband bleibt bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Spannend wurde es darunter. Vier von zwölf Gouverneuren stimmten gegen die Mehrheitslinie. Drei wollen die Tendenz zur Zinssenkung aus dem Protokoll streichen, einer – Stephen Miran, dem Trump-Lager nahestehend – hätte den Zins schon jetzt gesenkt. So viele Abweichler in einer FOMC-Entscheidung gab es zuletzt 1992.
4 von 12
erstmals seit 1992
3,5 – 3,75 %
der FED
400 Mrd. $
Berkshire Hathaway
Diese Spaltung ist ein Symptom, kein Versehen. Die Federal Reserve führt – anders als die Europäische Zentralbank – ein Dual Mandate: Sie soll die Inflation im Zaum halten und den Arbeitsmarkt stützen. Aktuell ziehen beide Indikatoren in entgegengesetzte Richtungen. Die Inflation steigt, befeuert durch den Iran-Konflikt und einen erneuten Ölpreisschock. Der US-Arbeitsmarkt zeigt sich gleichzeitig unverändert robust. Was tun, wenn beide Mandate in unterschiedliche Richtungen drücken? Genau das, was wir gerade beobachten – die Notenbank zerlegt sich in der Diskussion.
Hyperscaler liefern. Aber nicht alle.
Während die FED um die richtige Antwort ringt, lieferte die andere Hälfte der Wall Street: An einem einzigen Tag veröffentlichten Meta, Amazon, Alphabet und Microsoft ihre Quartalszahlen, am Tag darauf folgte Apple. Die Marktreaktion verlief auseinander – und sie ist aufschlussreich.
Abgestraft
Meta
Die hohen Investitionen in Rechenzentren übersetzen sich in sichtbares Umsatzwachstum. Microsoft blieb stabil; Azure wächst kräftig, das Software-Geschäft belastet.
Positiv aufgenommen
Alphabet & Amazon
Die hohen Investitionen in Rechenzentren übersetzen sich in sichtbares Umsatzwachstum. Microsoft blieb stabil; Azure wächst kräftig, das Software-Geschäft belastet.
Die übergeordnete Botschaft ist trotzdem positiv: Die Zahlen bestätigen, dass die KI-Investitionen substanziell sind – keine Hype-Blase, sondern reale Produktivitätsfortschritte. Und das Bemerkenswerteste: Die Rallye trägt nicht mehr nur die „Magnificent Seven“. Auch der Russell 2000, der Index der mittelgroßen US-Unternehmen, hat in dieser Woche ein Allzeithoch erreicht. Marktbreite kommt zurück.
Buffett wartet – und das hat Aussagekraft
Bei aller Bestätigung gibt es eine zweite Stimme, die Anleger hören sollten: Warren Buffett, der die operative Leitung von Berkshire Hathaway gerade übergeben hat, sitzt auf einer Cash-Reserve von rund 400 Milliarden Dollar. Buffett ist bekannt dafür, in heißen Phasen lieber zu warten als zu hoch zu kaufen. Seine Botschaft ist klar: Für ihn sind die Bewertungen aktuell zu hoch.
Wer nun glaubt, sich für eine der beiden Seiten entscheiden zu müssen – KI-Optimismus oder Buffett-Vorsicht –, hat das Bild falsch verstanden. Es ist nicht entweder oder, sondern sowohl als auch.
„Das Schlimmste, was ein Anleger machen kann, ist, nicht im Markt zu sein.“
— Michael Arpe im Podcast „Entspannt investieren“, Folge 5
Sowohl als auch – die Allwetter-Idee
Die Antwort der HAC ist seit Jahren die Allwetter-Strategie: ein Portfolio, das beide Seiten der Zukunft mit aushält. Wenn KI sich tatsächlich als das neue Internet entpuppt, profitieren Sie – aber nicht überproportional, weil ein Themen-Bucket wie KI-Aktien selten mehr als rund 15 Prozent ausmachen sollte. Wenn die andere Seite recht behält und die Bewertungen tatsächlich zu hoch waren, kompensieren werthaltige Bausteine wie ein Berkshire Hathaway oder breit aufgestellte Substanztitel die Schwäche.
Das Prinzip dahinter lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Sie machen keine Prognose, weil keine seriös ist – Sie bereiten sich stattdessen auf mehrere mögliche Zukünfte gleichzeitig vor. Genau das ist der Kern dessen, was wir „entspannt investieren“ nennen.
Der teuerste Fehler – gar nicht dabei zu sein
Es gibt eine Versuchung, die in Phasen wie diesen besonders stark wird: lieber an der Seitenlinie warten, bis „klarer wird, wohin es geht“. Studien zeigen seit Jahrzehnten dasselbe Ergebnis: Wer versucht, die guten und die schlechten Tage zu timen, verpasst statistisch fast immer die wenigen Tage, an denen die größten Sprünge passieren – und genau diese Sprünge sind für die langfristige Rendite entscheidend.
Die Faustregel der vergangenen 100 Jahre: Wer überzeugt ist, dass die Wirtschaft langfristig wächst, sollte investiert sein. Punkt. Die Schmerzen zwischenzeitlicher Schwankungen sind unangenehm, aber endlich. Die Schmerzen einer dauerhaft niedrigeren Rendite sind teurer und nachhaltiger.
Was Sie aus dieser Woche mitnehmen können
Drei Beobachtungen für die kommenden Wochen. Erstens: Die Märkte steigen nicht aus blinder Euphorie, sondern weil reale Zahlen sie tragen. Zweitens: Die Marktbreite kehrt zurück; das macht das Umfeld stabiler als noch vor wenigen Monaten. Drittens: Die FED ist sich uneinig, der politische Druck wächst, und der Iran-Konflikt fügt eine geopolitische Unbekannte hinzu. Genau diese Mischung ist der Grund, warum HAC-Portfolios bewusst breit, prognosefrei und über mehrere Anlageklassen hinweg aufgestellt sind.
Bleiben Sie ruhig, bleiben Sie investiert, bleiben Sie breit. Das ist nicht spektakulär – und genau deshalb funktioniert es.
Dieser Artikel basiert auf dem HAC Podcast „Entspannt investieren“, Folge 5 (7. Mai 2026). Er dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlageberatung dar. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. HAC VermögensManagement AG, Hamburg.