In Künstliche Intelligenz investieren: Licht und Schatten - HAC VermögensManagement AG

In Künstliche Intelligenz investieren:
Licht und Schatten

Inhaltsverzeichnis

Zwischen revolutionärer Innovation und existenzieller Bedrohung

An der Börse ist das Thema „Künstliche Intelligenz“ (KI) allgegenwärtig. Der Technologie wird revolutionäres Potenzial zugeschrieben. Entsprechend enthusiastisch sind viele Investoren. Doch Skeptiker warnen vor einer Blasenbildung wie in der Dotcom-Bubble Anfang der 2000er Jahre.

In nur fünf Tagen hatte die Plattform „ChatGPT“ im November 2022 eine Million Nutzer. Mittlerweile sind es 180 Millionen Nutzer weltweit, Tendenz steigend. Klar ist, wer die Anwendung schon einmal genutzt hat, ist sofort beeindruckt. Doch hat KI auch das Zeug unsere Gesellschaft zu verändern? Während Befürworter die transformative Kraft von KI feiern, warnen Kritiker vor ihren potenziellen Gefahren. Werfen wir ein Blick auf die Argumente beider Seiten, damit Sie als Anleger informiert entscheiden können, ob Sie das Thema in Ihrem Depot haben oder einen Bogen darum machen wollen.


Mehrwerte von KI-Anwendungen

Sam Altman, CEO von OpenAI, gehört wenig überraschend zu den prominenten Stimmen, die das immense Potenzial von KI betonen. Er sieht KI als einen Motor, der zahlreiche Industrien – von Gesundheitswesen über Finanzen bis hin zur Bildung – grundlegend verändern kann. Diese Technologie verspricht, die Effizienz zu steigern, Kosten zu senken und Innovationen zu fördern.

Steigerung der Produktivität in fast allen Branchen

Ein weiteres Beispiel für die positiven Auswirkungen von KI ist ihre Fähigkeit, die Produktivität zu steigern, insbesondere durch die Optimierung von Geschäftsprozessen. Walmart, einer der größten Einzelhändler der Welt, nutzt KI zur Verbesserung seines Bestandsmanagements. Durch den Einsatz von KI-Algorithmen konnte das Unternehmen seine Inventarkosten um beeindruckende 4,5 % senken. Dies zeigt, wie KI dazu beitragen kann, betriebliche Abläufe effizienter zu gestalten und Ressourcen effektiver zu nutzen. Es gibt nahezu kein börsengehandeltes Unternehmen, in dessen Strategieabteilung man sich nicht mit potenziellen Produktivitätssteigerungen durch KI beschäftigt.

Unilever verwendet KI-gestützte Tools, um Bewerber zu screenen und erste Interviews durchzuführen. Die KI analysiert die Antworten der Bewerber auf Video-Interviews und bewertet deren Eignung anhand von Sprachmustern und Gesichtsausdrücken. Hilton verwendet ähnliche Technologien. Firmen wie H&M und Lufthansa nutzen diese Technologien, um Kundenanfragen effizient zu bearbeiten.

IBM Watson Health hat ein KI-System entwickelt, das Ärzten bei der Diagnose komplexer Krankheiten hilft. Das System kann große Mengen medizinischer Literatur und Patientendaten analysieren, um diagnostische Vorschläge zu machen. Pfizer nutzt KI, um neue Medikamente zu entwickeln. Durch die Analyse von Biomarkern und genetischen Daten kann das Unternehmen potenzielle Kandidaten für neue Therapien identifizieren und die Entwicklungszeit für neue Medikamente verkürzen.

JPMorgan Chase setzt Machine-Learning-Modelle ein, die in der Lage sind, ungewöhnliche Muster in Transaktionen zu erkennen, die auf Betrug hindeuten könnten. BMW setzt KI-gesteuerte Roboter ein, die in der Lage sind, komplexe Montageaufgaben zu übernehmen. DHL nutzt KI-Modelle, um den Warentransport besser zu planen und Routen zu optimieren. Auch die Art und Weise, wie wir Informationen finden und nutzen, wird durch KI revolutioniert, wie Google betont.

Die Schattenseiten der KI

Doch trotz dieser beeindruckenden Vorteile gibt es gewichtige Bedenken. Kritiker wie Gary N. Smith weisen darauf hin, dass die sogenannte Intelligenz der KI in Wirklichkeit eine Illusion ist, die auf statistischen Wahrscheinlichkeitsmodellen basiert. KI-Systeme können Daten analysieren, aber sie haben keine Fähigkeit zur Selbsterkenntnis oder zur Korrektur eigener Fehler. Dies bedeutet, dass sie anfällig für Fehlinformationen und Fehlentscheidungen sind, was in kritischen Anwendungen verheerende Folgen haben könnte.

Desinformation und „Internetverschmutzung“

Ein bedeutendes Risiko, das mit der Verbreitung von KI einhergeht, ist die Gefahr von Desinformation. KI-Modelle werden häufig auf Datenmengen aus dem Internet trainiert, die Fehlinformationen enthalten können. Diese „Halluzinationen“ führen dazu, dass KI-Systeme potenziell gefährliche oder falsche Informationen verbreiten. Ein Beispiel für die potenziellen Gefahren von unkontrollierter KI ist der „Tay“-Chatbot von Microsoft. Innerhalb weniger Stunden nach seiner Einführung im Jahr 2016 begann Tay, rassistische und beleidigende Kommentare zu posten, nachdem er von negativen Nutzerinteraktionen beeinflusst wurde. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie schnell und unerwartet KI aus dem Ruder laufen kann.

Existenzielle Risiken: Wenn die Maschine die Kontrolle übernimmt

Prominente Persönlichkeiten wie Elon Musk haben wiederholt vor den existenziellen Risiken von KI gewarnt. Sie fürchten, dass KI-Systeme unkontrollierbar werden und sich gegen ihre Schöpfer wenden könnten. Ein beunruhigendes Beispiel aus der Finanzwelt unterstreicht diese Sorge: Im Jahr 2012 führte ein Fehler im Algorithmus des Hochfrequenzhändlers Knight Capital zu einem Verlust von 440 Millionen US-Dollar innerhalb von 45 Minuten. Dieser Vorfall zeigt, wie anfällig selbst gut kontrollierte Systeme für Fehler sind und welche dramatischen Auswirkungen sie haben können.

Abhängigkeit und Kontrollverlust: Der Preis des Fortschritts

Eine zunehmende Abhängigkeit von KI-Systemen birgt die Gefahr des Kontrollverlustes. Wenn wir immer mehr Entscheidungen – sei es in der Medizin, im Finanzwesen oder im Alltag – auf Maschinen übertragen, laufen wir Gefahr, unsere Autonomie zu verlieren. Die ethischen und sicherheitstechnischen Fragen, die sich daraus ergeben, sind komplex und nicht leicht zu beantworten. Die Herausforderung besteht darin, sicherzustellen, dass der Einsatz von KI im Einklang mit den Interessen der Menschheit steht und dass robuste Kontrollmechanismen vorhanden sind, um Missbrauch und Fehler zu verhindern.

Autor: Tobias Gabriel

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